ÜBER DAS PROJEKT
2020 erfahren wir von einer Liste der dreihundert reichsten Menschen der Schweiz. Was auffällt: Darunter sind hundertfünfunddreissig Milliardär*innen.
Doch wie viel ist eigentlich eine Milliarde? Eine Zahl, die wir uns nicht vorstellen können.
Wir beschliessen hundertfünfunddreissig Briefe zu verfassen. Handgeschrieben. Ohne Kontext für die Leser*innen. Ohne Konzept: Eine absurde Reaktion auf eine absurde Situation. Jeder Text auf der Rückseite mit einer Handzeichnung versehen. Beigelegt sind Visitenkarte und Einzahlungsschein. Verschickt werden die Briefe nach Zufallsprinzip per Post an die recherchierten Adressen der Hundertfünfunddreissig.
Das Kunstprojekt sieht sich als eine Auseinandersetzung, als Konfrontation, ein Akt der Selbstermächtigung und des Aufdrängens – ein hilfloser Versuch den (oder einen?) Spiess umzudrehen.
Aus den Briefen wird ein Buch, das einlädt darin spazieren zu gehen. Ein Buch voller Rechtschreibfehler, kryptischen Texten, dilettantischem Layout und wundervollen Bildern.
Oder in den Worten, gerichtet an seine reichen Gspändli, von Oliver Rihs:
«Als ich den Briefumschlag aufriss und den recht krakelig geschriebenen, ebenso humorvollen wie versteckt durchaus philosophischen Brief der Biedermanns las und dann diese schrille, minimalistische Zeichnung betrachtete, musste ich spontan verzaubert Schmunzeln. Dann schüttelte ich, wie um wach zu werden, stirnrunzelnd den Kopf und dachte mir: Wer ist das? Was wollen die von mir? Geht’s noch...?»
«… ist es nicht das, was wir uns doch eigentlich von Kunst erwarten? Dass sie uns provoziert, uns mental und emotional entführt – an ästhetisch beflügelnde wie aber auch an sperrige und unbequeme Orte. Von jungen Künstlern erzeugt, die, relativ absichtslos einfach mal verspielt einen bunten Gummi-Pfeil in unsere Richtung schossen, um dann in Deckung abzuwarten, ob irgendwas zurück geflogen kommt - von diesen merkwürdigen Superreichen, von denen die Biedermanns verwundert in der BILANZ gelesen haben?»
«Ich muss sagen, dass ich spätestens ab da von ihrem schelmischen Sabotage-Akt berührt war. Denn die zwei bis vielleicht zehn Minuten Zeit, die sie dem einen oder anderen von uns damit abknüpfen konnten, sind verschwindend gering im Gegensatz zu der Zeit, welche uns die Künstler mit der Erarbeitung ihrer kreativen Post geschenkt hatten. Mehr noch als das finale Buch finde ich daher die ganze Aktion der Biedermanns höchst eigenwillig und interessant: Als ein Akt des Irrationalen, der spielerischen Grenzüberschreitung und vielleicht gar der puren Unschuld.»